DIRK MEINZER

Sirenenheim

Die "richtige" Aneignung einer fremden Kultur erscheint als poiesis, verstanden als "kreativer Prozeß", weil mimetisches Verhalten von vornherein als minderwertige "Nachahmung" verworfen wird. Es ist nützlich sich daran zu erinnern, daß die Kunst, solange sie als techne galt, Mimesis der Natur sein sollte und das die Imitatio Christi natürlich nie als eine Art von Nachäfferei verstanden wurde. Mimesis als einen Inbegriff des "Irrationalen", in dem sich kein Widerspruch zwischen "Kreativität" und "Besessenheit" einstellt.
(nach: F. Kramer in "Das rote Fees" Seite 240)

Ich beschäftige mich schon lange mit den Phänomenen der Musen, zu denen auch die Sirene gehört, eine Mischwesenfigur, die als Archetypus in den Mythologien der Kulturen ihren Platz einnimmt. In der biologischen Klassifizierung existiert die Ordnung der "Sirenia", zu der drei Familien von Seekühen gehören. Diese terminologische Brücke, die ich eines Tages entdeckte, weckte mein Interesse an einem unauffälligen, fast unansehnlichen und sehr seltenem Tier, das ich plötzlich im Zusammenhang mit meiner "Musenforschung" begreifen konnte und mit dem ich mich intensiv zu beschäftigen begann.

Letztes Jahr war ich erneut dem Gesang der Sirenen erlegen und habe mich sieben Monate im Flußmündungsdelta des Rufiji und Mangrovensumpfgebietes Tanzanias von meinen Interessen fesseln lassen.Während dieses Aufenthalts schuf ich eine Hütte aus Kokosnussblattflechtwerk.

Sirenen sind Verführerinnen zum Fremden, zum Unbekannten, zum Wahnsinn, zum Tod. Ich lächle dem Wagnis zu an diese Grenzen zu gehen und doch wieder nach Hause zu kommen und baue diesen Hexen ein Heim in Hamburg.

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